IVDR-Leistungsbewertungsbericht auf einen Blick: Ein Gerüst in 12 Abschnitten

IVDR-Leistungsbewertungsbericht

Nach der EU-Verordnung über In-vitro-Diagnostika (IVDR, Verordnung (EU) 2017/746) ist die Leistungsbewertung die Grundlage für den Nachweis, dass ein IVD seine Zweckbestimmung sicher und zuverlässig erfüllt. Sie stützt sich auf drei Säulen – wissenschaftliche Validität, Analyseleistung und klinische Leistung (Artikel 56 und Anhang XIII) – und ihre Ergebnisse werden im Leistungsbewertungsbericht dokumentiert.

Das folgende Gerüst hilft Herstellern, diesen Bericht zu strukturieren – von der Produktübersicht und Risikoanalyse bis zu den einzelnen Elementen der Bewertung. Es orientiert sich an EN 13612:2002 (Leistungsbewertung von IVD) und den IMDRF/GHTF-Leitfäden GHTF/SG5/N6:2012, GHTF/SG5/N7:2012 und GHTF/SG5/N8:2012. Für klinische Leistungsstudien ist zudem EN ISO 20916 zu berücksichtigen. Als durchgängiges Beispiel dient ein HIV-Test.

Die 12 Abschnitte des Berichts

  1. Abkürzungen – z. B. „IVD MD: In-vitro-Diagnostikum“.
  2. Produkt – Name, Version, Basis-UDI-DI (falls vorhanden), UMDNS-Code, GMDN-Code.
  3. Mitgeltende Dokumente – SOP zur Leistungsbewertung und Leistungsbewertungsplan.
  4. Zweckbestimmung – Beschreibung der Zweckbestimmung des Produkts.
  5. Risikoanalyse – Zusammenfassung des Risikoanalyseberichts.
  6. Medizinischer Hintergrund und Stand der Technik
    • 6.1 Medizinischer Hintergrund: in welchen klinischen Umgebungen das IVD eingesetzt wird – ein HIV-Test z. B. zum Screening.
    • 6.2 Stand der Technik: wie dies heute erfolgt – z. B. was derzeit mit Patienten im HIV-Screening geschieht.
  7. Wissenschaftliche Validität – meist auf Basis einer Literaturrecherche: der Zusammenhang des Analyten mit einem klinischen Zustand. Beispiel: Ein HIV-Test ist wissenschaftlich valide, weil HIV bekanntermaßen zu AIDS führt und eine frühe Erkennung die Behandlungsergebnisse verbessert.
    • 7.1 Methode der Literaturrecherche: Suchbegriffe und Quellen, z. B. bibliografische Datenbanken (MEDLINE, EMBASE), Spezialdatenbanken (MEDION), Datenbanken systematischer Reviews, Studienregister (CENTRAL, NIH) und Vorkommnisdatenbanken (MAUDE, IRIS) – siehe die Beispiele in GHTF/SG5/N7:2012.
    • 7.2 Suchergebnisse: Datenbankbegriffe, relevante Publikationen mit Titel, Autoren und Abstract.
    • 7.3 Schlussfolgerung: z. B. „Der Nachweis von HIV ist sinnvoll, da HIV in der Folge zu AIDS führt und eine frühe Erkennung vorteilhaft ist.“
  8. Analyseleistung – die Kennzahlen, die der Test erreichen soll, etwa Sensitivität und Spezifität: Welche Leistung ist bei der Prüfung von z. B. 100 Blutproben verschiedener Patienten zu erwarten? Dazu sind Prüfungen an einem definierten Testdatensatz und deren Auswertung nötig.
    • 8.1 Methode: Vorgehen beschreiben; bei einem Machine-Learning-Modell auch den Testdatensatz, die Begründung seiner Auswahl und die verwendeten Kennzahlen.
    • 8.2 Ergebnisse.
  9. Klinische Leistung – ähnlich der wissenschaftlichen Validität, aber bezogen auf die Leistung in der Zielpopulation. Analysedaten bilden nur die Ebene des Assays ab; bei echten Patienten können Sensitivität und Spezifität abweichen, etwa wenn Begleiterkrankungen wie andere Viruserkrankungen falsch-positive Ergebnisse verursachen. Die klinische Leistung kann über Literaturrecherche oder klinische Leistungsstudien nachgewiesen werden.
    • 9.1 Methode.
    • 9.2 Ergebnisse.
  10. Zusammenfassung – darlegen, warum das IVD sicher ist und wie vorgesehen funktioniert, mit Bezug auf Zweckbestimmung, Risiken aus der Risikoanalyse sowie wissenschaftliche Validität, Analyse- und klinische Leistung.
  11. Datum und Unterschrift – elektronisch, sofern Ihr Dokumentenmanagementsystem dies unterstützt, sonst handschriftlich.
  12. Qualifikation der Bewertenden – Lebensläufe der an der Leistungsbewertung beteiligten Personen beifügen; sie müssen über angemessene Kenntnisse und Schulung verfügen.

Zuordnung von EN 13612 zur Dokumentation

Abschnitt EN 13612 Dokumentiert in
3.1 Verantwortlichkeiten und Ressourcen Leistungsbewertungsplan
3.2 Dokumentation Leistungsbewertungsplan
3.3 Abschließende Bewertung und Überprüfung Leistungsbewertungsbericht
4.1 Voraussetzungen Leistungsbewertungsbericht
4.2 Bewertungsprotokoll Leistungsbewertungsplan
4.3 Standort und Ressourcen Leistungsbewertungsplan
4.4 Grundlegende Designinformationen Leistungsbewertungsplan
4.5 Versuchsplanung Leistungsbewertungsplan
4.6 Aufzeichnungen der Leistungsstudie Leistungsbewertungsplan
4.7 Beobachtungen und unerwartete Ergebnisse Leistungsbewertungsplan
4.8 Bewertungsbericht Leistungsbewertungsbericht
5 Änderungen während der Leistungsstudie Leistungsbewertungsplan

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Dieser Beitrag dient nur zur Information und stellt keine Rechtsberatung dar.

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