Die japanische PSE-Zertifizierung erklärt: Antragsschritte, Prüfanforderungen und Kennzeichnung

In unserem vorherigen Beitrag haben wir Geschichte und Produktkategorien des japanischen PSE-Zeichens vorgestellt. Dieser Beitrag beschreibt das Verfahren Schritt für Schritt: wer welche Rolle hat, welche Unterlagen nötig sind und wie Produkte gekennzeichnet werden.

1. Die Rolle des METI und das Regelwerk

Zentrale Behörde ist das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI). Es vollzieht das Gesetz über die Sicherheit elektrischer Geräte und Materialien (DENAN), legt die Regeln fest, benennt Konformitätsbewertungsstellen und überwacht den Markt. Im PSE-System gibt es drei Beteiligte:

  • METI – setzt die Regeln und führt die Marktüberwachung durch;
  • Registrierte Konformitätsbewertungsstellen (RCABs) – prüfen und bewerten „Specified“-Produkte;
  • Unternehmen (Hersteller in Japan oder Importeure) – melden ihre Tätigkeit an, stellen die Konformität sicher und bringen das Zeichen an.

Kurz gesagt: METI setzt die Regeln, die RCABs prüfen die Produkte, und das Unternehmen kennzeichnet sie und bleibt verantwortlich.

2. Das PSE-Verfahren

Specified Electrical Appliances and Materials (Raute-PSE)

  1. Produkt einstufen anhand der offiziellen METI-Liste mit 116 Produktgruppen, um zu prüfen, ob es sich um ein „Specified“-Produkt handelt.
  2. RCAB auswählen, die beim METI registriert ist, zum Beispiel JET (Japan Electrical Safety & Environment Technology Laboratories) oder JQA (Japan Quality Assurance Organization).
  3. Muster und technische Unterlagen einreichen, darunter Spezifikation, Schaltpläne, Materialangaben, Gebrauchsanweisung und Etikettenentwürfe.
  4. Prüfung und Werksbewertung – die RCAB bewertet elektrische Sicherheit und Konstruktion; bei manchen Produktgruppen wird auch das Qualitätssystem des Werks geprüft.
  5. Konformitätszertifikat – sind die technischen Anforderungen erfüllt, stellt die RCAB ein Konformitätszertifikat aus.
  6. Anzeige der Geschäftstätigkeit – der japanische Importeur (oder Hersteller in Japan) reicht die Anzeige beim METI ein.
  7. Kennzeichnung – mit dem Raute-PSE-Zeichen darf das Produkt verkauft werden.

Non-Specified Electrical Appliances and Materials (Kreis-PSE)

  1. Das Unternehmen prüft das Produkt selbst (oder lässt es prüfen) nach den technischen Anforderungen des DENAN und bestätigt die Konformität.
  2. Selbsterklärung und Prüfprotokolle sind mindestens drei Jahre aufzubewahren.
  3. Auch ohne RCAB-Bewertung muss der Importeur die Anzeige der Geschäftstätigkeit beim METI einreichen.
  4. Das Produkt erhält das Kreis-PSE-Zeichen, mit dem das Unternehmen die Einhaltung der Sicherheitsanforderungen bestätigt.

3. Technische Unterlagen und Prüfungen

Unabhängig von der Kategorie erwartet das METI vollständige technische Unterlagen, unter anderem:

  • Produktspezifikation und Konstruktionsbeschreibung;
  • Schaltpläne und Leiterplatten-Layouts;
  • Stückliste (BOM);
  • Sicherheitsprüfberichte (z. B. Isolation, Spannungsfestigkeit, Schutzleiter);
  • EMV-Prüfberichte, soweit anwendbar;
  • Gebrauchsanweisung und Warnhinweise;
  • Konformitätserklärung.

Unterlagen, die bei einer RCAB eingereicht oder für die Anzeige verwendet wurden, sollten für mögliche Marktkontrollen in Kopie aufbewahrt werden.

4. Regeln für die PSE-Kennzeichnung

  • Anbringungsort: auf dem Produkt selbst oder dem Typenschild, gut sichtbar. Nur wenn dies nicht möglich ist, auf Verpackung oder Gebrauchsanweisung.
  • Inhalt: das PSE-Symbol (Raute oder Kreis), Name oder registriertes Kürzel des Unternehmens sowie bei „Specified“-Produkten Name oder Zeichen der RCAB.
  • Verboten: Verkauf ohne PSE, falsche oder irreführende Kennzeichnung sowie Werbung mit dem PSE-Zertifikat selbst – anerkannt ist nur das Zeichen.

5. Unterschiede zu anderen Zertifizierungen

Ein CE- oder UL-Zertifikat ersetzt PSE nicht. Die japanischen Anforderungen sind eigenständig und legen besonderen Wert auf Details der elektrischen Sicherheit wie Wärmebeständigkeit, Strombelastbarkeit und Konstruktionsmaße.

6. Häufige Fragen

Brauchen wir einen Partner in Japan? Ja. Anzeigepflichtig ist der Hersteller oder Importeur in Japan; Exporteure arbeiten daher in der Regel mit einem japanischen Importeur oder lokalen Partner zusammen.

Laufen RCAB-Zertifikate ab? Ja. Zertifikate für „Specified“-Produkte gelten je nach Produktgruppe für einen festgelegten Zeitraum (meist 3, 5 oder 7 Jahre) und müssen erneuert werden. Jede Änderung an Design oder Konstruktion erfordert eine neue Bewertung.

Führt das METI Marktkontrollen durch? Ja. Das METI zieht regelmäßig Stichproben aus dem Markt; bei Verstößen drohen Rückrufanordnungen oder Bußgelder.

So unterstützt EVERBIZ

EVERBIZ unterstützt Hersteller bei der Produkteinstufung, der Prüfplanung, der Abstimmung mit RCABs und der Erstellung technischer Unterlagen für den japanischen Markt. Sprechen Sie uns an.

Dieser Beitrag dient nur zur Information und stellt keine Rechtsberatung dar; maßgeblich sind die offiziellen Dokumente des METI.

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