EMV- & FCC-Prüfung

1. EMV-Prüfung (elektromagnetische Verträglichkeit)

EMV steht für elektromagnetische Verträglichkeit – die Fähigkeit eines elektronischen Geräts, in seiner elektromagnetischen Umgebung ordnungsgemäß zu funktionieren, ohne selbst unzulässige elektromagnetische Störungen in diese Umgebung einzubringen.

Die EMV-Prüfung umfasst zwei Hauptbereiche:

1. EMI (elektromagnetische Störaussendung): Prüft, ob die vom Gerät abgegebene elektromagnetische Energie die Grenzwerte überschreitet, damit andere Geräte nicht gestört werden. Typische Prüfungen:

  • RE (gestrahlte Störaussendung)

  • CE (leitungsgebundene Störaussendung)

  • Harmonics: Oberschwingungsströme

  • Flicker: Spannungsschwankungen und Flicker

2. EMS (elektromagnetische Störfestigkeit): Prüft die Fähigkeit des Geräts, externen elektromagnetischen Störungen standzuhalten. Typische Prüfungen:

  • ESD: Störfestigkeit gegen elektrostatische Entladung

  • RS: Störfestigkeit gegen gestrahlte Felder

  • EFT/Burst: schnelle transiente elektrische Störgrößen (Burst)

  • Surge: Störfestigkeit gegen Stoßspannungen (Blitz)

  • CS: Störfestigkeit gegen leitungsgeführte Störgrößen

  • DIP: Spannungseinbrüche und Kurzzeitunterbrechungen

  • PMS: Störfestigkeit gegen Magnetfelder mit energietechnischen Frequenzen


2. FCC-Prüfung (Federal Communications Commission)

FCC steht für die US-amerikanische Federal Communications Commission. Nahezu alle in den USA verkauften elektronischen Produkte benötigen eine FCC-Zulassung, die belegt, dass ihre elektromagnetischen Emissionen den US-Vorschriften entsprechen.

Wichtige FCC-Teile:

Kategorie Anwendbare Produkte
FCC Part 15 Allgemeine elektrische und elektronische Produkte (unbeabsichtigte und beabsichtigte Strahler)
FCC Part 18 Industrielle, wissenschaftliche und medizinische Geräte (ISM)
FCC Part 22/24/27 Mobilfunkgeräte
FCC Part 68 Telekommunikationsendgeräte

Part 15 unterteilt sich weiter in:

  • Class A: Produkte für den Einsatz in gewerblichen und industriellen Umgebungen

  • Class B: Produkte für den Einsatz im Haushalt und Wohnbereich (strengere Grenzwerte)

Zulassungsverfahren:

  • SDoC (Supplier’s Declaration of Conformity – Konformitätserklärung des Lieferanten): für allgemeine unbeabsichtigte Strahler

  • Certification: Zertifikat einer von der FCC anerkannten TCB (Telecommunication Certification Body), für beabsichtigte Strahler wie WLAN- und Bluetooth-Geräte


3. Zusammenhang zwischen EMV und FCC

Kurz gesagt: Die FCC-Zulassung umfasst einen Teil der EMV-Prüfung (vor allem den EMI-Teil).

  • EMV ist ein technischer Begriff, der sowohl Störaussendung als auch Störfestigkeit umfasst

  • FCC ist eine verpflichtende behördliche Zulassung für den US-Markt, die sich auf Emissionen konzentriert und keine Störfestigkeitsprüfung verlangt

  • Der EU-Markt verlangt CE-EMV-Konformität, der US-Markt die FCC-Zulassung, der chinesische Markt eine CCC- oder SRRC-Zertifizierung


4. Überblick über den Prüfablauf

  1. Vorprüfung (Pre-Scan): wird während der Entwicklung im Labor durchgeführt, um Probleme frühzeitig zu erkennen

  2. Debugging: Optimierung von Schaltung, Abschirmung, Filterung und Erdung bei nicht bestandenen Prüfpunkten

  3. Formale Prüfung: wird in einem akkreditierten Prüflabor durchgeführt

  4. Bericht und Zertifizierung: Ausstellung des Prüfberichts und Beantragung der Zertifikate

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